Authentication - Register

Complete the form below to create your account

This will be your public name in the community
We need this to keep you informed about your account

Mandatory data.

Why you'll love MyOMSYSTEM

All members get access to exclusive benefits:

  • Member community
  • Register products
  • Extended warranty
  • Monthly newsletter

Polarlichter in Island

„Nicht schon wieder“, stöhnt mein Freund Christophe und rollt mit den Augen. Er sitzt am Frühstückstisch vor einer Riesenportion Pfannkuchen, die in süßem Sirup schwimmen, während ich mir zum dritten Mal die Wettervorhersage für heute ansehe. „Wie viele Wetter-Apps hast du eigentlich?“, fragt er mich sichtlich verblüfft.

„Insgesamt sechs Apps für das Wetter, drei Apps für die Polarlicht-Vorhersage und die allgemeine Island-App“, antworte ich grinsend, während ich mir die vierte Tasse Kaffee einschenke. „Heute Abend wird es wahrscheinlich besonders starke Nordlichter geben, und ich würde sie gerne über der Jokulsarlon-Eislagune fotografieren. Leider reicht die Wettervorhersage der verschiedenen Apps von sternenklarem bis zu komplett bewölktem Himmel ab 22Uhr.“

„Wenigstens kann ich so in Ruhe meine Pfannkuchen aufessen", freut sich Christophe, während ich mir die Vorhersage der aufziehenden Wolken noch einmal im Detail anschaue.

Nach dem Frühstück packen wir ganz entspannt unsere Sachen und machen uns auf den Weg zur Jokulsarlon-Lagune. Wir brechen absichtlich frühzeitig auf, um genügend Zeit zum Auskundschaften des Standorts, aber auch für die Suche nach alternativen Standorten zu haben.

Ich möchte die tanzenden Polarlichter über einer eisgefüllten Lagune fotografieren, ohne dabei andere störende Lichtquellen wie etwa Häuser oder Autoscheinwerfer im Bild zu haben. Leider stellt sich dieses Vorhaben nach kurzer Zeit als unmöglich heraus: Eine große Ansammlung fotogener Eisblöcke gibt es nur an einer einzigen Stelle, die ärgerlicherweise direkt neben dem Hauptparkplatz liegt. Für einzelne Aufnahmen mag das zwar unproblematisch sein, aber längere Zeitraffer-Sequenzen lassen sich wegen der Autoscheinwerfer und der Taschenlampen der Besucher nur schwer oder gar nicht machen.

Also machen wir uns wieder auf zu einem anderen Ziel und einem meiner persönlichen Lieblingsorte in Island: dem Fjallsarlon-Gletscher. Auch hier gibt es eine Eislagune, jedoch mit noch weniger Eisblöcken. Außerdem sind wir hier viel näher am Gletscher, sodass auf dem Foto viel weniger Himmel zu sehen wäre. Also beschließe ich, mir Plan C anzuschauen: Wir fahren nach Svinafellsjökul, aber der schönste und beste Ort für Polarlichter bleibt mit Abstand Jokulsarlon.

Natürlich habe ich während unserer Suche regelmäßig die Wettervorhersage überprüft. Obwohl es nur noch wenige Stunden bis zum Abend sind, sind sich die verschiedenen Apps immer noch nicht einig. Aber die Tendenz geht eindeutig in die Richtung, dass bis Mitternacht am Jokulsarlon kaum Wolken zu erwarten sind. Also fahren wir die 60 Kilometer zurück zur Gletscherlagune und nehmen uns Zeit, um den allerbesten Platz mit Blick nach Norden über die schwimmenden Eisblöcke ausfindig zu machen.

Dann beginnt das, was beim Fotografieren oft die meiste Zeit in Anspruch nimmt: das Warten auf das richtige Licht, also in unserem Fall das Warten auf die Nordlichter. Da es mittlerweile ungemütlich kühl geworden ist, ziehen wir uns kurzzeitig in unseren Geländewagen zurück und stöbern in unserer Proviantkiste. Leider hatten wir keine passende Gaskartusche für unseren Kocher auftreiben können, sodass wir uns zum Abendessen mit Keksen, Schokolade, Gummibärchen und etwas Knäckebrot mit Käse begnügen müssen. Aber es gibt Schlimmeres, zumal wir von unserem Auto aus eine unmittelbare Aussicht auf den berühmten Diamond Beach haben.

Wir wissen, was es mit dem Zeitraum der blauen Stunde und mit der astronomischen Finsternis auf sich hat, aber wie sich herausstellt, verpassen wir den Beginn des Schauspiels. Laut Plan wollten wir schon startklar am Fotostandort sein. Aber da kein einziges schwaches grünes Leuchten am Himmel zu sehen ist, gönnen wir uns noch ein paar Minuten im warmen Auto. Aus reiner Langeweile hält Christophe sein Handy nach Norden und macht ein Foto – darauf ist deutlich ein großer grüner Bogen am Himmel erkennbar. Hastig steigen wir aus dem Auto und legen die zweihundert Meter zu unserem Fotostandort fast im Sprint zurück.

Schnell baue ich mein erstes Stativ auf, montiere meine Kamera mit dem 7–14mm PRO Objektiv und fokussiere manuell mit der Lupe. Ich mache eine Probeaufnahme, kontrolliere sie auf dem Display, justiere die Schärfe noch ein wenig, mache einen weiteren Test und drücke dann den Auslöser für ein erstes Polarlichtbild. Ich stelle die Blende auf F2.8, und wähle 20 Sekunden Belichtungszeit bei ISO 3200. Zum Glück benutze ich die OM-1, die meiner Meinung nach einen deutlichen Vorteil gegenüber der E-M1 Mark III bietet: Mit der E-M1 Mark III ging es nachts meist nicht weiter als bis ISO1600.

Ich überprüfe das Bild noch einmal auf dem Display und kann zufrieden feststellen, dass ich die passenden Einstellungen gewählt habe. Das Foto zeigt einen deutlich grünen Schleier vor einem violetten Himmel. Dieses Schauspiel spiegelt sich wunderschön in der Lagune, und auch die Eisblöcke schimmern deutlich lila. Genau so habe ich es mir vorgestellt und eigentlich könnte ich jetzt glücklich und zufrieden einpacken. Aber natürlich mache ich das nicht: Stattdessen aktiviere ich die integrierte Zeitrafferfunktion und lasse die Kamera arbeiten, beruhigt, dass ich das erhoffte Foto schon im Kasten habe.

Die Polarlichter ziehen zwar nicht sehr schnell am Himmel vorbei, aber sie stehen auch nicht komplett still. Dadurch kommen ihre Bewegungen bei einer kürzeren Belichtungszeit in einem Zeitrafferfilm noch besser zur Geltung. Leider bestätigen sich jedoch meine Befürchtungen bezüglich des Parkplatzes: Trotz der recht späten Stunde dreht dort fast im Minutentakt ein Auto nach dem anderen eine kurze Runde. Dabei werden die in der Lagune schwimmenden Eisblöcke jedes Mal hell angestrahlt. Letztendlich ist nur eine kurze Sequenz tatsächlich als Zeitraffer brauchbar.

Aber das schmälert die Schönheit des Schauspiels der sich stetig wandelnden Polarlichter nicht im Geringsten. Farbenprächtige Vorhänge lösen sich mit wandernden Bögen ab, Lichtsäulen ragen in den Himmel, die Farbtöne wechseln von Violett über Rot zu Grün – und wir kommen aus dem Staunen nicht heraus.

Genau wie die Wetter-Apps vorhergesagt hatten, ziehen immer mehr Wolken auf, und gegen 23 Uhr ist fast der gesamte Nachthimmel grau. Zwei meiner Wetter-Apps verheißen jedoch eine weitere Auflockerung der Wolkendecke, die eine gute Stunde dauern soll. Wir warten gespannt, und wie erwartet, reißen die Wolken plötzlich auf und gewähren uns einen fast ungehinderten Blick auf den Sternenhimmel mit einer nun ganz anderen Nordlichtstimmung. Drei leuchtend grüne Bögen überlagern sich und ziehen über uns hinweg. Ich starte eine weitere Zeitrafferserie mit der einen Kamera und mache einzelne Aufnahmen mit der anderen. Auch jetzt, nach Mitternacht, sind noch viel zu viele Autos auf dem Parkplatz, sodass ich die Idee eines dynamischen Zeitraffers längst aufgegeben habe.

Wie schade, dass sich die Wolkendecke bald wieder verdichtet. Endlich stimmen alle Prognosen überein und sind sich leider einig über die durchgängige Wolkendecke ohne die geringste Lücke. Trotz der zunehmenden Kälte warten wir noch eine halbe Stunde, geben dann aber endgültig die Hoffnung auf mehr Zeit unter dem Sternenhimmel auf. Doch mit einem zufriedenen Grinsen kehren wir zu unserem Auto zurück. „Das war doch gar nicht so übel mit all den Apps, oder?“ sage ich zu Christophe.

Vorgestellte Produkte

About the author

Related Tags

Comments